Schriften-Wirrwarr ...

Veröffentlicht auf von Rechtschreibbär

... herrscht zurzeit an den Schulen. Gelehrt wird die Ausgangsschrift mit verbundenen Buchstaben (LA), vereinfachte Ausgangsschrift (VA) oder Schulausgangsschrift (SAS).

Nun soll eine neue Schriftform diese Schriften ablösen. Die Rede ist von der sogenannten Grundschrift. Diese besteht im Wesentlichen aus handgeschriebenen Druckbuchstaben, wie sie in der ersten Klasse ohnehin schon gelehrt werden. Neu sind lediglich kleine Wendebögen an einigen Kleinbuchstaben, die den Anschluss zum nächsten Buchstaben erleichtern sollen.

Ob das letztlich zu weniger Schreibfrust und zur Verarmung und dem Verkümmern feinmotorischer Fähigkeiten führt lässt sich kaum wirklich vorhersagen. Fakt allerdings ist, dass das verbundene Schreiben die Feinmotorik schult. Sollte es daran hapern, gibt es allerdings auch Alternativen wie feinmotorische Fähigkeiten spielerisch und ohne Frust geschult werden können. Wie wäre es zwischendurch Mikado zu spielen, zu malen, zu basteln oder  zum Beispiel Lesekisten anfertigen?

Vorstellbar ist es aber durchaus, dass die zuerst erlernte Druckschrift, deren Buchstaben später nur mittels kleiner Verbindungsbögen aneinander gefügt wird, schneller zu erlernen sein wird. Besonders lernschwachen und legasthenen Schülern fällt es schwer unterschiedliche Schriftarten zu erkennen. Ein A in Druckschrift und ein A in Schreibschrift wird oft nicht als der gleiche Buchstabe erkannt. So dürfte es grade für legasthene Schüler leichter sein von Beginn an nur eine Schriftart zu erlernen und nicht von Druckschrift auf Schreibschrift umlernen zu müssen. Grade dieser Umlernprozess hemmt das Schreiben und führt zu einer Verlangsamung der Handschrift. Die einfachere Schrift kann durchaus zu einem besseren und leserlichem Schriftbild führen. Mit etwas Übung fließen verbundenen Druckbuchstaben im Laufe der Zeit fast ebenso schnell auf das Papier wie bei den Ausgangsschriften.

Selbst wenn wir bedauern, dass die Bedeutung des Kulturgutes der Handschrift immer mehr an Bedeutung verliert, aufhalten werden wir diesen Prozess nicht. Tatsache aber ist, das Handgeschriebenes besser im Gedächtnis verankert wird als Eingetipptes und das sich an selbst verfasste Notizen  besser erinnert wird. So sollten Kinder auch immer wieder dazu ermuntert werden handschriftliche Notizen anzufertigen.

Ob sich die Grundschrift durchsetzen wird, oder ob es bei den Ausgangsschriften bleibt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen, wenn mehr Erfahrungen damit gesammelt wurden.

Letztlich ist es aber zweitrangig welche Schrift ein Schüler erlernt, solange er eine Handschrift erlernt, die auch zu einer individuellen gut leserlichen Schrift führt, denn neben dem neuen Kulturgut Computer gilt es das Kulturgut des Schreibens auf Papier zu erhalten.

 

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