Lufttinchen Windvogel

Veröffentlicht auf von Rechtschreibbär

Lufttinchen Windvogel

 

Lulu drückte sich ihre Nase an den Scheiben des Küchenfensters platt. Langeweile plagte sie. Herbstferien, darauf hatte sie sich so gefreut und nun? Ihre Freunde und Freundinnen waren verreist und sie hatte niemanden zum Spielen. Was nun?

Die Ellbogen auf die Fensterbank gestützt und den Kopf in die Hände gelegt und schaute den bunten, tanzenden Blättern zu. Der Herbstwind zupfte sie von den Bäumen und trieb sie über die Straße. Wind ...

Plötzlich erinnerte sie sich an den alten Windvogel der in der Garage lag, ob der noch flugtauglich war? Schnurstracks lief sie in die Garage, um den Drachen zu suchen. Oben auf dem Regal lag er und fristete dort ein trauriges Dasein. Sie streckte sich und reckte sich, um mit den Fingerspitzen das Spielzeug zu erreichen aber, aber sie war zu klein. Lulu schaute sich um. In der der Nische, zwischen Regal und Wand, fand sie eine kleine Trittleiter. Mit ihr gelangte sie endlich an den Drachen und zog ihn vom Regal. Eine gewaltige Staubwolke segelte auf sie hinunter und sie musste niesen. Wie lange lag der jetzt schon hier? Einige Jahre waren es bestimmt. Sie hatte ihn noch mit ihrem Opa gebastelt, der aber war schon vor einiger Zeit mit der Oma weit, weit gezogen. Lulu besuchte die Beiden immer in den Sommerferien. Seit Opa damals wegzog hatte sie nie wieder einen Drachen steigen lassen.

Eine erste Begutachtung des Windvogels ergab, dass er kaum gelitten hatte. Nur etwas blasser war er in den Jahren geworden. Die Farben leuchteten nicht mehr so schön wie damals, aber er war in Ordnung. Auch die lange Drachenleine war ordentlich aufgewickelt und schien vollkommen okay zu sein.

Lulu nahm den Drachen und trug ihn in ihr Zimmer. Sie staubte ihn ab, verpasste ihm ein paar zusätzliche neue, bunte Schwanzschleifen und malte in das aufgeklebte Gesicht ein paar Details. Ihr Windvogel bekam Augenwimpern und ein schelmisches Lachen und an der oberen Spitze ein paar Ponyfransen aus alter Wolle und eine Haarschleife aus buntem Pergamentpapier. Jetzt brauchte er nur noch einen Namen. Lulu überlegte eine Weile ... Lufttinchen sollte er, nein sie, heißen. Jetzt war ihr Drachen eine Windvogel-line.

 

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Wie der Blitz zog sich wettergerecht an und machte sich auf den Weg. Als sie an der Küchentür vorbeikam rief sie im Hinauslaufen: „Ich bin auf dem Stoppelfeld - mit Opas altem Drachen!“ Ihre Mutter schaute ihr kopfschüttelnd nach, ließ sie aber lächelnd ziehen.

Zum Stoppelfeld war es nur ein kurzer Weg. Lulu bemühte sich einige Male vergeblich den Windvogel in die Luft zu bekommen. Immer wieder stürzte er ab. Es war gar nicht so einfach. Sie versuchte sich zu erinnern, wie sie das gemeinsam mit ihrem Opa gemacht hatte. Damals waren sie zu zweit und es war leicht ... Sie hielt den Drachen hoch und lief dem Wind entgegen. Immer wieder stürzte er aber sofort ab. Viele Fehlversuche später klappte es aber doch, der Wind griff unter Lufttinchen und hob sie hoch in die Luft. Lulu gab ihr Leine und freute sich über ihren Erfolg. Was würde ihr Opa wohl dazu sagen, dass sie es ganz allein geschafft hatte?

Die Zeit verging tatsächlich wie im Flug, während sie dem Windvogel zuschaute wie er übermütig seinen Bahnen am Himmel zog. Als es begann zu dämmern, holte sie ihn vom Himmel und machte sich auf den Heimweg. Das war ein herrlicher Nachmittag und wenn das Wetter morgen das Drachensteigen zuließ würde sie wieder auf das Stoppelfeld gehen, aber heute Abend rief sie erst einmal ihre Großeltern an um ihnen vom Drachenflug zu erzählen. Davon wie hoch er gestiegen war und wie der Wind mit ihm spielte und wie sie dabei an die Zeit mit ihrem Opa dachte. Mit dem Drachen flogen ihre Gedanken weit weg, denn Gedanken können höher, weiter und schneller fliegen als Windvögel und vielleicht kam bei dem Opa längst ein Gedanke vom Windvogelflug an, bevor Lulu ihn abends anrief und ihm am Telefon davon erzählte ...

 

 

 

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Veröffentlicht in Erzählungen für Kinder

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