Der traurige Weihnachtsengel
Fiedelbert hatte es sich auf einem kleinen Wolkenberg gemütlich gemacht. Er lag wie auf Watte gebettet, die Beine übereinandergeschlagen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und schaute in die Sterne. Langsam wurde es dämmerig und die Sterne begannen zu funkeln. Seine Arbeit für die Weihnachtsbescherung war getan, der prall gefüllte Sack mit den fertigen Spielzeugen stand neben ihm. Das Christkind hatte zwar alle Wichtel pünktlich zur Schluss-Konferenz gebeten, aber bis dahin war noch Zeit. Bis zum großen Platz, der mitten auf der Weihnachtswolke lag, würde er es spielend leicht in null-komma-nichts schaffen.
Plötzlich hörte er ein leises Weinen und Wimmern. Er setzte sich auf, schaute sich um, konnte aber nichts entdecken. Zuerst wollte er sich wieder hinlegen, aber das Weinen ließ ihm keine Ruhe. Er lief um den Berg herum, und da sah er ihn, den kleinen unglücklichen Weihnachtsengel. “Was ist dir denn passiert? Kann ich dir helfen?“, fragte Fiedelbert den kleinen Engel und schaute ihn mitleidig an. „Ich glaube nicht.“, flüsterte das Engelchen. „Vielleicht ja doch, versuchs doch mal.“ „Schau dir meinen Stern an, er ist ganz krumm und schief. Ich hab verschlafen und kam zu spät, als wir unsere Ausstattung bekamen. Das war der letzte Stern der noch zu verteilen war. Ich muss in der großen Weihnachtsparade aber an erste Stelle laufen, weil ich der kleinste Engel bin und jetzt habe ich den schäbigsten Stern. Am liebsten würde ich gar nicht mehr mitmachen. Aber bestimmt ist das Christkind dann sauer auf mich.“ Fiedelbert schmunzelte ein wenig über das Unglück des kleinen Engels, aber er nickte bedächtig und kratzte sich am Kinn, dann sagte er: “Weißt du kleiner Engel, ich glaube nicht so sehr, dass es darauf ankommt wie ordentlich und gerade dein Stern ist, viel mehr kommt es doch darauf an, dass du mit dem Stern schön hell strahlst.“ „Aber der strahlt doch gar nicht, schau doch nur wie fleckig er ist!“ „Der Stern kann ja auch nicht strahlen, wenn du so traurig bist. Komm mal mit, ich habe eine Idee.“ Fiedelbert nahm den kleinen Engel an die Hand und gemeinsam gingen sie zur der Stelle an der Fiedelbert seinen großen Spielzeugsack abgestellt hatte. Umständlich knüpfte er ihn auf und beförderte ein großes, weiches Tuch hervor. Sanft tupfte er damit dem Engelchen zuerst die Tränen ab und begann anschließend mit dem Tuch den Stern zu polieren. Er rieb und putzte, hauchte ihn an, polierte wieder und wieder. Es dauerte eine ganze Weile bis der Stern zu strahlen begann. Je mehr der Stern strahlte, desso mehr strahlte auch der kleine Weihnachtsengel. „Oh ist das schön, wie du gut du das kannst!“, freute er sich und lachte Fiedelbert glücklich an. „Schau, jetzt wo du so herrlich fröhlich bist, kann auch der Stern hell leuchten. Nicht ich habe ihn blitzblank poliert, er strahlt weil du so glücklich bist!“ „Ich hab aber doch gesehen wie du ihn gerieben hast!“, beharrte der Engel. „Das mag schon sein, aber ich hätte reiben können so viel ich wollte, hättest du nicht begonnen zu glauben das es hilft, dann hätte der Stern sich nicht verändert. Dein Glaube hat ihn leuchten lassen!“ Das Engelchen staunte und dachte über Fiedelberts Worte nach. Es nahm den hellen Stern in die Hand, läutet fröhlich mit den zwei kleinen Glöckchen und bedankte sich bei Fiedelbert für seine Hilfe.
Der schaute erschrocken und mahnte zum Aufbruch. “Wenn wir uns jetzt aber nicht beeilen, dann hast du nicht nur verschlafen, sondern wir beide verpassen auch noch die Konferenz und die Parade. Dann gibt es richtig Ärger. Schließlich warten einige Kinder auf die Geschenke die ich in meinem Sack habe.“ In windeseile brachen die beiden auf. Fiedelbert schulterte den Sack, nahm seinen Stock. Das Weihnachtsengelchen lief mit seinem leuchtenden Stern voraus und leuchtet ihm den Weg. Pünktlich zum Beginn der Konferenz waren sie auf dem großen Platz auf der Weihnachtswolke. Nachdem die Anwesenheitsliste kontrolliert und alle Tagesordnungspunkte abgehakt und erledigt waren, das Christkind festgestellt hatte, dass alles zur Bescherung fertig war, stimmten alle Wichtel ein großes freudiges Hurra an und alle Engel formierten sich zur Weihnachtsparade. Mit Halleluja und Hoseanna begleiteten sie das Christkind bis zum Rand der Wolke, von wo aus es die Weihnachtsgeschenke an alle Erdenkinder verteilte.
Und was glaubt ihr wohl wer den hellsten Stern trug? Richtig, der kleine Weihnachtsengel an der Spitze der Parade. Auch wenn er nicht den perfektesten Stern hatte, so hatte er den am hellsten leuchtenden Stern von allen. Das kleine Engelchen strahlte mit dem Stern um die Wette und als es an Fiedelbert vorbei kam zwinkerte der ihm lächelnd zu.
© Szintilla 2009