Luna, die Mondkatze oder Das Mondgeschenk

Veröffentlicht auf von Rechtschreibbär

 


Luna, die Mondkatze oder Das Mondgeschenk

 

Vor langer Zeit lebte in einem kleinen Ort, weit hinter dem Ende der großen Stadt, eine kleine, kohlrabenschwarze Katze. Jeden Abend, wenn die anderen Dorfkatzen sich vergnügten, blieb Luna zu hause. Sie war oft sehr traurig, denn sie konnte nicht sehr gut sehen. Alle anderen Katzen sahen in der Nachtbesonders gut. Nur Luna nicht. Wenn es dunkel wurde sah sie fast gar nichts mehr. Die Mäuse hielten sich ihre Bäuche vor Lachen, wenn Luna versuchte eine von ihnen fangen. Frech tanzten sie vor Lunas Nase herum und riefen: “Fang mich doch!“ Luna hatte es probiert, aber die Mäuse entwischten immer und drehten ihr eine lange Nase.

 

Einmal im Monat aber zog sie mit der Dorfkatzenbande los. Immer, wenn der volle Mond am Himmel stand, sah sie fast so gut wie alle andere Katzen. Es machte ihr großen Spaß so ausgelassen herum zu toben und Mäuse zu jagen. Aber die Mäuse waren in den Vollmondnächten sehr wachsam, immer bereit sofort in das nächstbeste Mauseloch zu huschen, sobald sich eine Katze heranschlich.

 

Luna liebte diese eine Nacht im Monat so sehr, dass sie jedes Mal aus Dankbarkeit für diese helle Nacht, auf das höchste Dach des Dorfes kletterte. Dort sang sie dem Mond ihr schönstes Katzen-Lied. Luna hatte eine wunderschöne Katzenstimme und dem Mond gefiel sehr was er hörte. Viele Monate lauschte er andächtig Lunas herrlichem Gesang. Eines Tages beschloss er der kleinen Katze zu helfen. Es tat ihm leid, dass sie nur an einem einzigen Tag im Monat von Herzen fröhlich war.

 

In der nächsten Vollmondnacht, als Luna wieder auf das hohe Scheunendach kletterte, um für den Mond zu singen, hörte sie eine tiefe Stimme die sie rief: „ Luna, komm einmal herauf zu mir. Du singst so wunderschön für mich, deshalb ich möchte dir etwas schenken!“ Erschrocken schaute Luna sich um, doch weit und breit konnte sie niemanden erblicken. Da war niemand, außer ihr. „Los, trau' dich!“, rief die Stimme wieder. „Schau' auf den Lichtstrahl, er führt dich direkt zu mir herauf. Komm! Komm doch herauf zu mir!“ Jetzt bemerkte Luna den hellen Mondstrahl der genau vor ihren Pfoten endete. Der Strahl funkelte und glitzerte in silbernem und weißen Licht. „Bist du das, Mond?“, fragte Luna erstaunt. „Siehst du sonst noch jemanden hier? Ich höre dir schon so lange zu, wenn du mit deiner schönen Stimme für mich singst, dass ich dir ein kleines Geschenk machen möchte.“

 

Vorsichtig begann Luna den Lichtstrahl empor zu klettern. Pfote für Pfote tastete sie sich auf ihm höher und höher. Als sie merkte, dass er ihr stand hielt, lief sie so schnell sie konnte dem Mond entgegen. Es dauerte eine ganze Weile bis sie ihn erreichte. Es ist nicht unbedingt ein kleiner Katzensprung von der Erde bis zum Mond.

 

Hallo Luna, schön dass du hier bist.“ sagte der Mond zu ihr, als sie oben bei ihm ankam. „Du hast viel Mut bewiesen bis zu mir herauf zu steigen.“, und er nickte anerkennend. „Deine wunderschönen Katzenlieder machen mir immer soviel Freude. Sie lassen mich ein bisschen heller strahlen. Nun möchte ich, dass du etwas von mir bekommst. Aber schau dich nur um, viel kann ich dir nicht schenken. Es gibt keine Mäuse, keine Milch und auch sonst nichts was kleine Katzen glücklich machen könnte. Das Einzige das ich dir schenken kann, ist ein kleines bisschen von mir selbst.“

 

Der Mond nahm einen kleinen, milchig leuchtenden Mondstein, berührte Luna damit an allen vier Pfoten und befestigte den Stein mit einem magischen Zauber auf ihrer Brust. „Warum tust du das?“, wollte Luna wissen. „Ich möchte, dass du nicht mehr traurig bist. Du solltest öfter fröhlich sein und vor Freude singen. Darum schenke dir diesen kleinen Stein. Jetzt trägst du meine Freude und mein Licht immer bei dir.“ Der Mond machte eine lange Pause und betrachtete die kleine Katze, die nicht wusste, wie ihr geschah. Plötzlich erhob er seine Stimme und polterte er los: „So, nun aber wieder ab mit dir! Zurück zu deinen Freunden.“

 

Bevor sie noch etwas fragen oder erwidern konnte, gab der Mond ihr einen freundschaftlichen Schubs. Wie auf einer langen Rutschbahn sauste sie auf dem funkelnden Mondstrahl zurück zur Erde. Mit einen gewaltigen Bauz-Pardauz landete sie ziemlich unsanft wieder auf dem flachen Dach der Scheune.

 

Mühsam rappelte sie sich auf und suchte nach dem Mondstrahl. Er war verschwunden. Eine große, dunkle Wolke hatte sich vor den Mond geschoben. Aber etwas war anders als sonst. Rundherum war es stockfinster, kein einziger Stern war am Himmel zu sehen, trotzdem konnte Luna alles klar und deutlich erkennen. Sie schaute auf ihre Pfoten und bemerkte eine schwaches, silbriges Leuchten das von ihnen ausging. Alle vier Pfoten waren jetzt schneeweiß und strahlten in der Dunkelheit. Auch von ihrer Brust strahlte ein helles Licht, wie ein kleiner Stern. Wohin sie auch ging, das Strahlen blieb und erleuchtete die Nacht. Luna konnte es kaum glauben. Auf dem großen alten Baum vor der Scheune saß ihr Freund der Uhu und schickte sein schauriges „Uuhuuu!“ in die Nacht. „Du Uhu, rief Luna, „zwick mich mal ins Ohr!“ „Warum, soll ich das tun?“, wollte der Uhu wissen. „Ich möchte wissen, ob ich träume, ich kann nämlich sehen!“ Der Uhu breitete seine Schwingen aus und flog zu ihr auf das Dach. Er landete direkt vor ihrer Nase. „Achtung!“ rief er und zwickte sie kräftigt ins Ohr. „Mi-Autsch, bist du verrückt?“ jammerte Luna und rieb sich mit der Pfote immer wieder ihr schmerzendes Ohr. Doch dann begann sie vor Freude laut zu maunzen und reimte ein Mäusefang-Lied:

 

Miau, Maus pass auf,

nimm Reißaus und lauf,

sonst kommt die Katze,

die dich fängt mit der Tatze.

Miau!“

 

Vielen, vielen Dank, Uhu!“, rief sie noch und lief so schnell sie konnte zu den andere Katzen. Als sie Luna sahen, standen sie im Kreis um sie herum und bestaunte das magische Leuchten. Alle freuten sich mit Luna und sie musste ihre Geschichte immer und immer wieder erzählen.

 

Der Mond hatte ihr das schönste aller Geschenke gemacht. Von diesem Tag an zog Luna jede Nacht mit den anderen Dorfkatzen umher. Den Mäusen verging das Lachen und das lange Nase drehen, denn Luna jagte jetzt jede Maus flugs in ihr Mauseloch. Die anderen Katzen des Dorfes freuten sich eine besondere Freundin zu haben, denn wo Luna auftauchte, verbreitete sie mit ihrem leuchtendem Strahlen große Fröhlichkeit.

 

Aus Dankbarkeit singt Luna noch immer jede Nacht, eines von ihren schönsten Liedern für den Mond. Nacht für Nacht sitzt sie auf dem Scheunendach beim alten großen Baum, dort wo der Mondstrahl einst eine silberne Brücke zum Himmel spannte, und singt so schön sie kann. Alle lauschen ihrer Stimme, der Uhu, die anderen Katzen, der Hofhund und selbst die frechen Mäuschen sind mucksmäuschenstill.

 

Wenn du einmal eine schwarze Katze mit vier weißen Pfötchen und einem weißen Stern auf der Brust siehst, oder wenn du des Nachts eine Katze singen hörst, dann ist es vielleicht Luna, die Katze mit dem besondere Mondgeschenk.

 

  ©2002 aschuetgens

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Veröffentlicht in Erzählungen für Kinder

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